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Offener Brief an das Musée d'art et d'histoire in Genf

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Zu Handen des Musée d’art et d’histoire/MAH in Genf

Es freut uns sehr, dass sie sich für die Frage der Sichtbarkeit der Frau in den Sammlungen des Musée d’art et d’histoire/MAH interessieren, haben sich doch am 4. März den Marathon Wikimedia « Art + Féminismus » in der Bibliothèque d’art et d’histoire/BAA organisiert.

Mehr Kunst von Frauen im MAH auszustellen, würde dem Publikum und den künftigen Generation helfen, zwischen den real existierenden Frauen – Künstlerinnen – und den imaginierten Frauen – z. B. Muse, mythologische Figur – zu unterscheiden[1]. Diese mythologischen Figuren und andere Musen sind tatsächlich schon genügend in den Sälen vertreten – sei es in den temporären oder permanenten Ausstellungen. Die genaue Positionierung der Frauen in ihrem Beruf als Künstlerinnen ist für ein fortschrittliches Museum unumgänglich, um zur Berichtigung einer repräsentativen Kunstgeschichte beizutragen. Eine der Rollen einer öffentlichen Institution liegt nicht zuletzt darin, die Interpretationen der Kunstgeschichte zu korrigieren, welche die Frauen auf passive Subjekte oder Objekte der Kontemplation reduzieren[2]. Auch die Wichtigkeit zwischen Kunst und Handwerk zu unterscheiden, soll in dieser Debatte nicht vergessen werden.[3]; die Arbeit der Künstlerinnen soll in ein präzises Feld eingeschrieben werden, das dem Inhalt und dem Kontext ihrer Werke entspricht.

Darüber hinaus gilt es die demagogische Idee zu demontieren, dass die Arbeit einer Künstlerin naturgemäss eine feministische Arbeit sei. Diese falsche Vorstellung ist kontraproduktiv gegenüber den Anstrengungen, die Künstlerinnen-Positionen entsprechend zu berichtigen und verfälscht somit auch die Rezeption des Kunstwerkes.

Damit diese erste Initiative von Ihrer Seite nicht eine blosse Vereinnahmung der feministischen Bewegung zu Gunsten des Museums-Marketings bleibt und nicht nur die virtuellen Medien nährt, möchten wir sie mit Nachdruck auffordern, die Sichtbarkeit der Produktionen von Künstlerinnen in ihren Sammlungen und Ausstellungen zu erhöhen. Nur ein kleiner Prozentsatz von Künstlerinnen wird derzeit in den Ausstellungen im MAH gezeigt, dies entspricht nicht den Wirklichkeiten der Geschichte der Kunst. Nicht weniger problematisch ist das Fehlen kritischer Ansätze in Bezug auf das (Ab-)Bild der Frau und grundsätzlich zu Geschlechterfragen.

Ein echtes Engagement des MAH würde darin bestehen, mehr Platz für die Werke von Künstlerinnen zu schaffen, einen kritischen Diskurs um diese kunsthistorischen Fragen zu stimulieren, und sie in den Hängungen und in den Publikationen zu berücksichtigen. So würde ihre Absicht « den Platz der Frauen in den Sammlungen auszuloten », wie es in der Pressemitteilung richtig steht[4], über den gedruckten Satz hinausgehen und sich in der Wirklichkeit eines künftigen Museums verankern.

 

 


[1]               [1] « Die Künstlerinnen, Musen oder verkörperten mythologischen Figuren nehmen einen nicht zu vernachlässigenden Platz in den Sammlungen des MAH ein […] » (Pressemitteilung und Blog des MAH; unsere Übersetzung).

[2]               [2] « Die Frau ist ein ergiebiger Gegenstand : Die legendäre Frau ist omnipräsent » (Pressemitteilung und Blog des MAH; unsere Übersetzung).

[3]               [3] « Wenn sie sich aktiv an den angewandten Künsten beteiligen […], bleiben sie dabei Handwerkerinnen. » Weiter unten: « Selten haben sich Frauen in anderen Feldern als dem Handwerk bestätigt oder eine Anerkennung erlangt, vor allem eines Rangs als Künstlerinnen. » (Communiqué de presse et blog du MAH; unsere Übersetzung)

[4]
                  [4] Unsere Übersetzung.

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